Ein weiterer Tag. Eine weitere Erinnerung daran, dass der Planet größer ist, als wir dachten.
Neue Forschungsergebnisse aus China tauchen auf und beschreiben Dutzende Insektenarten, von deren Existenz bisher niemand wusste.
Das Team konzentrierte sich auf Platydracus. Flache Drachenkäfer. Laufkäfer, um genau zu sein. Zum ersten Mal haben Forscher diese Gattung in China richtig untersucht, und das Ergebnis war chaotisch. Oder vielleicht einfach nur reich. Insgesamt wurden über 100 Arten protokolliert. Die meisten von ihnen waren völlig neu für die Wissenschaft.
Hier ist das Ding. Wir denken normalerweise, dass übersehene Kreaturen kleine, langweilige Dinge sind. Winzige Würmer verstecken sich unter Steinen. Nicht diese.
Diese Käfer sind groß. Mehrere Zentimeter lang. Helle Farben. Einige Scheinwespen. Man könnte meinen, sie würden auffallen. Aber das taten sie nicht. Viele blieben in freier Wildbahn völlig unsichtbar. Andere lagen jahrelang unbeschriftet und vergessen in Museumsgläsern.
Alexey Solodovnikov von der Universität Kopenhagen leitete die Studie. Seine kürzlich in Insect Systematics and Diversity veröffentlichten Worte treffen eindringlich:
„Es ist auffällig, dass so viele neue Arten zwischen großen und farbenfrohen Käfern verborgen bleiben können.“
Es ist das Linnesche Defizit. Diese Lücke zwischen dem, was wir benannt haben, und dem, was tatsächlich auf der Erde lebt. Es ist breiter, als die Leute zugeben.
Nehmen Sie gezielt Laufkäfer. Sie gehören zu den Staphylinidae. Ungefähr 70.000 beschriebene Arten. Vielleicht 25 % von dem, was wirklich vorhanden ist. Weiter herauszoomen. Wir haben weltweit etwa 925.090 Insektenarten benannt. Erschreckend niedrig. Die Schätzung des gesamten Insektenlebens liegt bei über fünf Millionen. Bei den meisten davon fliegen wir im Blindflug.
Das Team musste alte Fehler bereinigen. Früher arbeiteten Taxonomen mit sehr wenigen Exemplaren. Gerade genug, um etwas mit einem Etikett zu versehen und weiterzumachen. Solodovnikovs Team nutzte neben körperlichen Untersuchungen auch DNA-Barcodes.
Die Ergebnisse verwirrten die Erwartungen. Manchmal hatten unterschiedlich aussehende Käfer genau die gleichen DNA-Marker. In anderen Fällen trugen nahezu identische Käfer unterschiedliche genetische Codes. Die Natur folgt nicht den Regeln.
Was es noch zu entdecken gibt.
