Eine neue Umfrage zeigt, dass die Amerikaner Bundeswissenschaftlern deutlich mehr vertrauen als den politischen Führern, die die Gesundheitsbehörden beaufsichtigen, einschließlich derjenigen, die während der Trump-Regierung ernannt wurden. Die vom Annenberg Public Policy Center der University of Pennsylvania durchgeführte Studie verdeutlicht eine wachsende Diskrepanz zwischen der öffentlichen Wahrnehmung wissenschaftlicher Expertise und der politischen Autorität im Bereich der öffentlichen Gesundheit.
Öffentliches Misstrauen gegenüber der Führung von Agenturen
Die Umfrage unter 1.650 Erwachsenen in den USA ergab, dass 67 % ihr Vertrauen in Wissenschaftler äußerten, die in Behörden wie den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) arbeiten, während nur 43 % die gleiche Meinung über die von den Behörden ernannten Leiter hatten. Dieser Unterschied ist besonders deutlich, wenn man das Vertrauen in unabhängige medizinische Organisationen wie die American Academy of Pediatrics (AAP) mit dem der CDC vergleicht: Die Befragten bevorzugten die Empfehlungen der AAP zu Säuglingsimpfungen (42 %) gegenüber denen der CDC (11 %) in einem Verhältnis von etwa 4 zu 1.
Dieser Vertrauensunterschied ist kein Zufall. Unter der vorherigen Regierung hat die CDC langjährige Empfehlungen zu Hepatitis-B-Impfungen rückgängig gemacht und sich für eine verzögerte Impfung ausgesprochen – eine Entscheidung, die offenbar das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Führung der Behörde untergraben hat.
Fauci und RFK Jr.: Ein klarer Kontrast
Die Umfrage zeigt auch eine klare Präferenz für wissenschaftliche Persönlichkeiten gegenüber politischen. Mehr Befragte (54 %) vertrauten dem ehemaligen Chef der National Institutes of Infectious Diseases, Anthony Fauci, als dem derzeitigen Gesundheits- und Sozialminister Robert F. Kennedy Jr. (38 %). Nur 5 % der Befragten äußerten „sehr zuversichtliches“ Vertrauen in die Führung großer Gesundheitsbehörden wie der FDA, NIH oder CDC.
Der zugrunde liegende Grund ist einfach : Die Öffentlichkeit hat eine deutliche Kluft zwischen den Empfehlungen von Berufswissenschaftlern und den Anweisungen der Behördenführung festgestellt, auch wenn diese Wissenschaftler daran gehindert sind, öffentlich zu sprechen.
Erosion des Vertrauens in die Wissenschaft, aber nicht in Wissenschaftler
Während das Vertrauen in Wissenschaftler nach wie vor relativ hoch ist, deuten breiter angelegte Umfragen auf einen Rückgang des allgemeinen Vertrauens in die Wissenschaft seit der COVID-19-Pandemie hin. Daten des Pew Research Center zeigen einen Rückgang der positiven Stimmung von 73 % im Jahr 2019 auf 61 % im Januar 2024, wobei der stärkste Rückgang bei den republikanischen Wählern zu verzeichnen war.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Vertrauen der Öffentlichkeit in Wissenschaftler geschwunden ist. Stattdessen legt die Studie des Annenberg Public Policy Center nahe, dass die Öffentlichkeit einen Unterschied zwischen evidenzbasierter Wissenschaft und ideologisch motivierter Politikgestaltung erkennt.
„Die Öffentlichkeit ist ziemlich schlau; sie sieht, dass diese Behörden politisiert wurden“, sagt Georges Benjamin, CEO der American Public Health Association. „Sie können erkennen, dass Berufswissenschaftler im öffentlichen Interesse auf der Grundlage von Beweisen und nicht aus parteiischen Motiven handeln.“
Die Methodik der Umfrage, bei der seit 2021 dieselben Befragten erfasst werden, verleiht den Ergebnissen zusätzliches Gewicht. Trotz möglicher Einschränkungen bei der Stichprobendemografie – eine Tendenz hin zu wohlhabenderen, gebildeten Unabhängigen – deuten die Ergebnisse auf einen breiten Trend hin: Die Amerikaner unterscheiden zwischen wissenschaftlicher Expertise und politischer Einmischung in die öffentliche Gesundheit.
Letztendlich unterstreicht diese Umfrage einen entscheidenden Punkt: Das öffentliche Vertrauen in Gesundheitsfragen richtet sich zunehmend auf die Wissenschaftler, die ihre Arbeit erledigen, und nicht auf die Politiker, die die Entscheidungen treffen.
