Eine 127 Jahre alte Stummfilmrolle, die kürzlich in den Archiven der Library of Congress wiederentdeckt wurde, zeigt möglicherweise die früheste filmische Darstellung eines Roboters. Der 45-sekündige Kurzfilm „Gugusse And The Automaton“ wurde um 1897 vom französischen Filmpionier Georges Méliès geschaffen. Er ist mehr als zwei Jahrzehnte älter als die formelle Einführung des Wortes „Roboter“, nimmt jedoch ein Kernthema der Science-Fiction vorweg: Maschinen, die sich gegen ihre Schöpfer wenden.
Von der Garage zum globalen Zugang
Der Film verstaubte jahrzehntelang in der Garage eines Bauern, bevor er als Teil einer größeren Sammlung der Library of Congress gespendet wurde. Der Spender, William Delisle Frisbee, war ein reisender Filmaussteller aus dem späten 19. Jahrhundert, der Filme von Stadt zu Stadt zeigte. Archivare identifizierten den Film anhand seines unverwechselbaren Stils und bestätigten seine Echtheit nach Rücksprache mit einem Méliès-Experten. Das Filmmaterial wurde inzwischen gescannt, stabilisiert und in 4K-Auflösung zur öffentlichen Ansicht freigegeben.
Die Handlung: Eine warnende Geschichte
Der Film zeigt einen Zauberer namens Gugusse, der einen Automaten in einer scheinbar primitiven „Roboterfabrik“ zur Schau stellt. Zunächst steuert Gugusse den clownartigen Automaten, indem er ihn wie ein Spielzeug aufzieht. Doch als er eine größere, humanoide Maschine einführt, nimmt die Szene eine düstere Wendung. Der Automat greift Gugusse mit Spazierstöcken an, bevor er mit einem komisch übergroßen Hammer zerstört wird.
„Dieser Film hat es von einem Buggy im ländlichen Pennsylvania über einen [Toyota] Camry in Michigan nach Culpeper [Virginia] in die Hände unserer Techniker in der Library of Congress geschafft, und jetzt, mit der Arbeit, die wir hier daran leisten können, können wir ihn mit der ganzen Welt teilen.“
– Jason Evans Groth, Kurator für Bewegtbild an der Library of Congress.
Warum das wichtig ist: Echos in der Kinogeschichte
Méliès war ein visionärer Filmemacher, der Pionierarbeit bei Techniken wie Doppelbelichtung und erzwungener Perspektive leistete. Sein Interesse an frühen Science-Fiction-Autoren wie H. G. Wells und Jules Verne beeinflusste sein Werk. Die Darstellung eines rebellischen Automaten im Film lässt spätere filmische Tropen ahnen, wie zum Beispiel den mechanischen Bösewicht in „The Master Mystery“ von 1919.
Die Wiederentdeckung unterstreicht die überraschende Haltbarkeit des Nitratfilms im Vergleich zu modernen Videoformaten. Obwohl das Filmmaterial fast ein Jahrhundert alt ist, ist es immer noch bemerkenswert gut erhalten und beweist die Langlebigkeit physischer Medien. Die Wiederaufnahme des Films ist ein Beweis für die anhaltende Kraft des frühen Kinos und seinen Einfluss auf das Science-Fiction-Genre.
Letztendlich ist Gugusse And The Automaton nicht nur ein Artefakt der Filmgeschichte; Es ist eine Frühwarnung vor den möglichen Folgen unkontrollierter technologischer Ambitionen.




















