Die bevorstehende Artemis-II-Mission der NASA, die vier Astronauten auf einen Vorbeiflug am Mond schicken soll, stößt auf Kritik, da Experten über die Sicherheit ihres Hitzeschilds diskutieren. Während die Agentur darauf besteht, dass die Raumsonde auf eine erfolgreiche Rückkehr zur Erde vorbereitet ist, bleiben Fragen bestehen, nachdem während der unbemannten Artemis-I-Mission im Jahr 2022 Schäden an der Orion-Kapsel festgestellt wurden.
Altmaterial, moderne Risiken
Der Hitzeschild der Orion-Kapsel besteht aus Avcoat, einem Material, das ursprünglich für das Apollo-Programm entwickelt wurde. Allerdings unterscheidet sich der aktuelle Schild strukturell von seinem Apollo-Pendant: Er besteht aus weniger, größeren Kacheln und nicht aus der Wabenstruktur des Apollo-Designs.
Diese Änderung hat bei einigen Ingenieuren Bedenken hervorgerufen, darunter Ed Pope, ein Experte für fortgeschrittene Materialien, der vermutet, dass das überarbeitete Design unerklärliche Risiken mit sich bringt. Die NASA entschied sich 2009 für Avcoat, und wie der Weltraumhistoriker Jordan Bimm anmerkt, gab es seitdem nur begrenzte Wiedereintrittstests. Der einzige vollständige Wiedereintrittstest fand während Artemis I statt, bei dem der Schild unerwarteten Schaden erlitt.
Schaden beobachtet, Vertrauen aufrechterhalten
Beim Wiedereintritt der Artemis I lösten sich große Avcoat-Stücke von der Kapsel und hinterließen verkohlte Löcher im Hitzeschild. Der Generalinspekteur der NASA kam zu dem Schluss, dass die Astronauten an Bord wahrscheinlich überlebt hätten, der Vorfall warf jedoch Fragen zur Integrität des Entwurfs auf.
Seitdem hat die NASA die Flugbahn des Artemis-II-Wiedereintritts geändert, um die Belastung des Schildes zu verringern. Kritiker argumentieren jedoch, dass dies eher eine Problemumgehung als eine Lösung sei. Die Agentur ist von ihrem Vorgehen überzeugt und die Beamten gaben an, sie seien „sehr zuversichtlich“ hinsichtlich der Leistung des Schildes. Administrator Jared Isaacman betonte, dass die bemannte Raumfahrt immer mit Risiken verbunden sei, die NASA jedoch bestrebt sei, diese durch strenge Tests und technische Maßnahmen zu mindern.
Geschichte der Katastrophe
Die Debatte über den Hitzeschild von Artemis II erinnert an vergangene Tragödien der NASA, wie beispielsweise die Katastrophe des Space Shuttle Columbia im Jahr 2003, bei der ein Hitzeschildversagen dazu führte, dass das Raumschiff beim Wiedereintritt auseinanderbrach. Der ehemalige Astronaut Charles Camarda hat Bedenken geäußert, dass die NASA die Fehler der Vergangenheit wiederholt, indem sie denselben möglicherweise fehlerhaften Schild ohne weitere Tests verwendet.
Andere Experten wie Danny Olivas, der an der Überprüfung von Artemis I beteiligt war, argumentieren jedoch, dass die NASA genügend Analysen durchgeführt hat, um das Risiko als „akzeptabel“ einzustufen. Der Weltraumhistoriker Jordan Bimm weist darauf hin, dass Katastrophen der NASA in der Vergangenheit eher auf Konstruktions- und Systemfehler als auf Bedienerfehler zurückzuführen sind.
Unsicherer Ausblick
Während die NASA darauf besteht, dass Artemis II erst weiterfliegen wird, wenn sie bereit ist, unterstreicht die Kontroverse die inhärenten Risiken der Raumfahrt. Ed Pope schätzt die Wahrscheinlichkeit eines Hitzeschildversagens auf 1 zu 5 bis 1 zu 50, obwohl er davon ausgeht, dass die Mission wahrscheinlich erfolgreich sein wird. Die Debatte verdeutlicht die Spannung zwischen der Ausweitung der Grenzen der Weltraumforschung und der Gewährleistung der Sicherheit von Astronauten.




















