Astronomen kämpfen mit einer mysteriösen Population entfernter, purpurroter Objekte, die vom James Webb Space Telescope (JWST) entdeckt wurden. Diese als „Little Red Dots“ (LRDs) bezeichneten Objekte stellen bestehende Theorien über die Entstehung von Galaxien und die Entwicklung von Schwarzen Löchern in Frage. Ein neu identifiziertes LRD, das Röntgenstrahlen aussendet, könnte der Schlüssel zum Verständnis sein, wie diese Objekte in die supermassereichen Schwarzen Löcher übergehen, die man im modernen Universum sieht.
Das Geheimnis der kleinen roten Punkte
LRDs tauchten erstmals in den frühen Bildern von JWST als ungewöhnlich kompakte, rot gefärbte Lichtquellen auf. Das Besondere an ihnen ist ihre Größe: Einige scheinen einen Durchmesser von bis zu 500 Lichtjahren zu haben, leuchten aber mit der Intensität eines Sterns. Sie machen etwa 10 % der im frühen Universum beobachteten leuchtenden Objekte aus (zwischen 5 und 15 % seines aktuellen Alters von 13,8 Milliarden Jahren), was darauf hindeutet, dass sie in der kosmischen Geschichte häufig vorkamen.
Die Leithypothese besagt, dass LRDs überhaupt keine Sterne sind, sondern frühe Galaxien, die von schnell wachsenden Schwarzen Löchern angetrieben werden. Diese Schwarzen Löcher sind in dichte Kokons aus heißem Gas gehüllt, die rotes Leuchten ausstrahlen. Das Rätsel besteht jedoch darin, dass modernen Schwarzen Löchern solche dichten Hüllen fehlen. Dies wirft die Frage auf: Wie werfen LRDs ihre Kokons ab?
Eine neue Entdeckung: Ein Röntgenpunkt
Forscher haben kürzlich ein Objekt identifiziert, das die „Rötung“ eines LRD mit erkennbaren Röntgenemissionen kombiniert. Dieser Befund ist von Bedeutung, da es sich möglicherweise um eine Übergangsphase handelt – ein LRD, das dabei ist, seinen Kokon abzuwerfen. Das Team veröffentlichte seine Ergebnisse im Januar als Vorabdruck und reichte ihn bei The Astrophysical Journal Letters ein.
„Haben wir das seltene LRD gefunden, das kurz davor steht, dass sein Kokon auseinanderzufallen beginnt?“ fragt Raphael Hviding, Erstautor vom Max-Planck-Institut für Astronomie.
Das Objekt wurde ursprünglich als typischer aktiver galaktischer Kern katalogisiert, aber eine erneute Analyse ergab seine ungewöhnliche Farbe: ein auffälliges Blutrot anstelle des erwarteten Violettblaus. Entscheidend ist, dass es keine Hinweise darauf gibt, dass Staub absorbierte Strahlung wieder aussendet, was darauf hindeutet, dass das Objekt möglicherweise nicht von Staub verdeckt ist, sondern dass es sich eher um einen Kokon-Zusammenbruch handelt.
Skepsis und laufende Forschung
Nicht alle Astronomen sind sich einig. Einige glauben, dass der Röntgenpunkt einfach ein von Staub verdecktes Schwarzes Loch ist. Andere fragen sich, warum die Röntgenemissionen nicht gedämpft werden, wenn der Kokon noch teilweise intakt ist.
Um diese Unsicherheiten zu beseitigen, sind weitere Beobachtungen geplant. Mittlerweile tauchen alternative Theorien auf: Einige gehen davon aus, dass LRDs kollabierende Gaswolken sind, die Schwarze Löcher bilden, während andere vermuten, dass ihre ungewöhnlichen Eigenschaften durch nicht-sphärische Formen erklärt werden könnten.
„Zum ersten Mal seit langer Zeit in der extragalaktischen Astronomie haben wir einen neuen Galaxientyp gefunden.“ – Raphael Hviding
Die Entdeckung von LRDs hat ein beispielloses Interesse an der frühen Galaxienentwicklung geweckt. Der anhaltende Zustrom an Forschungsergebnissen deutet darauf hin, dass JWST möglicherweise eine bisher unbekannte Phase in der frühen Geschichte des Universums enthüllt hat, und weitere Untersuchungen werden entscheidend sein, um seine wahre Natur zu verstehen.
