Die Technologiegiganten Apple und OpenAI bereiten sich in aller Stille darauf vor, bereits im Jahr 2026 tragbare Geräte mit KI-Unterstützung auf den Markt zu bringen. Berichten zufolge entwickelt Apple ein kleines Gerät in AirTag-Größe, das mit Mikrofonen, Lautsprechern und Kameras ausgestattet ist, während OpenAI in Zusammenarbeit mit Jony Ive (dem ehemaligen Designchef von Apple) auch an seiner eigenen KI-gesteuerten Hardware arbeitet. Dieser Schritt stellt eine deutliche Eskalation der Integration künstlicher Intelligenz in den Alltag dar – und wirft kritische Fragen zu Privatsphäre, sozialer Akzeptanz und der Zukunft persönlicher Technologie auf.
Der Aufstieg der KI in Ihrem Körper
Seit Jahren experimentieren Technologieunternehmen mit Wearables: Datenbrillen, Anhängern, Ringen. Aber vergangene Misserfolge wie Google Glass und der AI Pin von Humane verdeutlichen die Herausforderungen, diese Geräte salonfähig zu machen. Google Glass stieß aufgrund seiner offensichtlichen Überwachungsfähigkeiten auf Gegenreaktionen und brachte seinen Trägern das abfällige Etikett „Glaslöcher“ ein. Der AI Pin von Humane stürzte aufgrund schlechter Leistung ab, was zur Schließung des Unternehmens führte. Sogar neuere Bemühungen, wie das KI-Pendant von Friend, stießen auf öffentliche Kritik, da U-Bahn-Anzeigen von Demonstranten unkenntlich gemacht wurden, die das Gerät als „Überwachungsinstrument“ bezeichneten.
Trotz dieser Rückschläge sehen große Unternehmen ein enormes Potenzial. Amazon erwarb im Jahr 2025 Bee, einen Hersteller von KI-Armbändern, und Meta kaufte Limitless, ein Start-up für Konversations-KI-Armbänder. Die Datenbrillen „Meta“ von Ray-Ban wurden bereits über zwei Millionen Mal verkauft – ein kleiner Teil der iPhone-Verkäufe von Apple, aber ein Zeichen dafür, dass der Wearable-Markt langsam reifer wird.
Das Datenschutz- und Vertrauensdilemma
Im Kern geht es nicht um die technische Machbarkeit, sondern um soziale und ethische Belange. Diese KI-Wearables sammeln riesige Mengen persönlicher Daten: Gesichter, Stimmen, Gespräche, Standorte. Dies wirft grundsätzliche Fragen zu Einwilligung und Überwachung auf.
Wie die Datenschutzphilosophin Helen Nissenbaum 2011 argumentierte, führt ein Verstoß gegen „fest verankerte Normen“ in Bezug auf personenbezogene Daten zu vorhersehbaren Gegenreaktionen. Wenn ein Wearable eine Fehlfunktion aufweist und private Informationen preisgibt, könnten die Folgen katastrophal sein. Der Unterschied zwischen dem Schließen einer fehlerhaften App und der Übertragung Ihres Lebens auf ein Gerät ist entscheidend.
Vertrauen ist ebenfalls von größter Bedeutung. Apple mit seinem etablierten Ruf könnte besser abschneiden als die Konkurrenz, indem es die bevorstehende AI-Chatbot-Integration von Siri und die nahtlose Konnektivität seines Ökosystems nutzt. OpenAI kann auf seine 800 Millionen wöchentlichen ChatGPT-Benutzer zugreifen und so ein unmittelbares Publikum schaffen.
Der Weg zur Akzeptanz
Der Schlüssel zur allgemeinen Akzeptanz liegt möglicherweise in der Nützlichkeit. Smartphones wurden unverzichtbar, weil sie echte Probleme lösten. Die Datenbrillen von Meta erfreuen sich zunehmender Beliebtheit als funktionales Zubehör, das Navigations-, Übersetzungs- und Barrierefreiheitsfunktionen für Seh- und Hörgeschädigte bietet.
Damit diese Geräte erfolgreich sind, müssen sie einen klaren Mehrwert bieten, der über die Neuheit hinausgeht. Wenn KI-Wearables das tägliche Leben wirklich verbessern können – indem sie Hilfe leisten, die Kommunikation verbessern oder einzigartige Lösungen anbieten – könnte der Widerstand allmählich nachlassen. Allerdings muss die Branche Datenschutzbedenken proaktiv angehen, sonst droht eine Wiederholung vergangener Misserfolge.
Der Vorstoß in Richtung KI-Wearables ist ein riskantes Wagnis. Technologiegiganten wetten darauf, dass die Verbraucher irgendwann die ständige KI-Integration akzeptieren werden, aber der Weg nach vorne ist mit ethischen und sozialen Hürden behaftet. Die Zukunft dieser Geräte hängt davon ab, ob sie einen echten Nutzen bieten und dabei persönliche Grenzen respektieren.




















