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Alter Syphilis-Stamm schreibt Krankheitsgeschichte neu

Eine bahnbrechende Genomanalyse eines 5.500 Jahre alten Bakteriums, das in Kolumbien entdeckt wurde, hat lange bestehende Annahmen über den Ursprung der Syphilis und verwandter Krankheiten wie Bejel und Frambösie auf den Kopf gestellt. Die in Science veröffentlichte Studie zeigt, dass Treponema pallidum – das für diese Infektionen verantwortliche Bakterium – Jahrtausende vor der europäischen Kolonisierung auf dem amerikanischen Kontinent vorkam, was Theorien in Frage stellt, die seine Ausbreitung auf europäische Ausbrüche im 15. Jahrhundert zurückführen.

Das Geheimnis der Syphilis-Ursprünge

Seit Jahrhunderten diskutieren Historiker und Wissenschaftler über den Ursprung der Syphilis. Eine prominente Theorie besagt, dass das Bakterium nach 1492 mit Entdeckern nach Europa gelangte, die aus Amerika zurückkehrten. Allerdings erschweren Hinweise auf Treponema-Infektionen im präkolumbianischen Europa diese Erzählung weiterhin. Es blieb unklar, wann T. pallidum zuerst an die Übertragung durch den Menschen angepasst wurde und ob sich die Krankheit vor oder nach weit verbreitetem menschlichen Kontakt entwickelte.

Ein 5.500 Jahre altes Genom gibt Antworten

Forscher stießen auf die alte bakterielle DNA in den Skelettresten eines Mannes aus dem heutigen Kolumbien. Diese Entdeckung stellt den ältesten genetisch sequenzierten Stamm von T dar. pallidum um über 3.000 Jahre. Eine vergleichende Genomanalyse zeigt, dass dieser alte Stamm vor allen bekannten Unterarten existierte, was auf eine viel tiefere Evolutionsgeschichte schließen lässt, als bisher angenommen.

Laut Co-Autorin Nasreen Broomandkhoshbacht deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Treponema-Erkrankungen in der Vergangenheit wahrscheinlich weitaus vielfältiger waren. „Das wirft die Frage auf: ‚Gab es eine noch größere Vielfalt an Möglichkeiten, wie sich diese Gruppe von Krankheiten auf Menschen und vielleicht auch auf verschiedene Wirte auswirken könnte?‘“, sagt sie.

Koevolution mit Menschen

Der an der Studie nicht beteiligte Genetiker Fernando González-Candelas erklärt, dass das Bakterium bereits vor 5.500 Jahren gut an den Menschen angepasst war. Dies deutet auf eine lange Zeit der Koevolution zwischen Treponema und Menschen hin, viel früher als vermutet. Das Vorkommen des alten Stammes auf dem amerikanischen Kontinent stellt auch die Vorstellung in Frage, dass der europäische Kolonialismus der Hauptgrund für die weltweite Ausbreitung der Syphilis war.

Auswirkungen auf die Krankheitsgeschichte

Die Kartierung der Entwicklung alter Krankheiten bietet Einblicke in das Leben vergangener Gemeinschaften. Während sich die moderne Form der Geschlechtssyphilis später entwickelte, zeigt diese Entdeckung, dass Treponema bereits lange vor dem europäischen Kontakt auf dem amerikanischen Kontinent verbreitet war. Die Anthropologin Elizabeth Nelson weist darauf hin, dass „wir bereits vor der Ankunft der Europäer damit umgegangen sind“ und dabei den Schwerpunkt auf die indigene Herkunft verlagert haben.

Die Studie unterstreicht, dass die Geschichte treponemischer Erkrankungen komplexer ist als bisher angenommen und dass die Ausbreitung und Entwicklung des Bakteriums wahrscheinlich durch Faktoren beeinflusst wurde, die über den kolonialen Austausch hinausgehen.

Diese Forschung verändert unser Verständnis von Syphilis grundlegend und zeigt, dass die Krankheit eine viel tiefere und differenziertere Geschichte hat als bisher angenommen. Das antike Genom offenbart eine präkolumbianische Präsenz auf dem amerikanischen Kontinent, was eine Neubewertung bestehender Theorien erzwingt und neue Wege zum Verständnis der Koevolution von Menschen und Krankheiten eröffnet.

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