Weißwedelhirsche nehmen Wälder möglicherweise auf eine Weise wahr, die Menschen nicht wahrnehmen können: als Landschaften, die durch leuchtende Signale subtil beleuchtet werden. Jüngste Untersuchungen zeigen, dass Hirschmarkierungen – Geweihabdrücke an Bäumen und aufgeschürftem Boden – ein blaugrünes Licht aussenden, das im ultravioletten Wellenlängenbereich während der Morgen- und Abenddämmerung erkennbar ist. Dieses Phänomen fügt der Tierkommunikation eine bisher nicht dagewesene Ebene hinzu und vermischt geruchsbasierte Signale mit potenziellen visuellen Hinweisen.
Wie Hirsche das Leuchten sehen
Biologen wissen seit Jahrzehnten, dass Hirsche Duftmarken zur Kommunikation nutzen. Eine neue Studie der University of Georgia untersuchte jedoch, ob diese Markierungen auch visuelle Informationen liefern. Forscher scannten 146 Wegweiser im Whitehall Forest, Georgia, mit ultraviolettem Licht. Sie fanden heraus, dass diese Markierungen zwar für das bloße Auge unsichtbar sind, aber Licht im blaugrünen Spektrum aussenden, das Hirsche sehen können.
Der Effekt tritt auf, weil beim Abstreifen der Rinde beim Reiben des Geweihs ligninreiches Innenholz freigelegt wird, das das Licht anders wieder abgibt als die äußere Rinde. Der Kontrast verstärkt sich, je näher die Brutzeit rückt, möglicherweise weil verhärtete Geweihe mehr inneres Holz freilegen und eine erhöhte Hormonaktivität biologische Rückstände auf der Oberfläche hinterlässt.
Warum das wichtig ist
Diese Entdeckung stellt frühere Annahmen über die Tierkommunikation in Frage. Traditionell wurde Biofluoreszenz – wie das leuchtende Fell einiger Säugetiere – als eine Eigenschaft des Tieres selbst untersucht. Diese Forschung legt nahe, dass Biofluoreszenz auch in die Umgebung eingebettet werden kann und eine subtile, aber erkennbare visuelle Schicht erzeugt.
„Wenn jemand einen Reflektor an einem Baum gesehen hat, ist die Reibung ähnlich – wenn auch offensichtlich nicht so stark“, sagt der Co-Autor der Studie, Daniel DeRose-Broeckert.
Hirschaugen sind besonders geeignet, diese Wellenlängen bei schlechten Lichtverhältnissen zu sehen. Die erhöhte Empfindlichkeit gegenüber kurz- und mittelwelligen Farben ermöglicht es ihnen, dieses subtile Leuchten zu erkennen.
Skepsis und Zukunftsforschung
Nicht alle Wissenschaftler sind völlig überzeugt. Almut Kelber, Ökologin an der Universität Lund, argumentiert, dass Hirsche dies wahrscheinlich auch nicht sehen können, wenn Menschen die Markierungen bei natürlichem Licht nicht sehen können. Der Nachweis einer visuellen Rolle würde Verhaltenstests erfordern, bei denen Sehen und Riechen getrennt werden.
Die Studie dient als erster Schritt und dokumentiert das Kontrastpotenzial bei Wellenlängen, die Hirsche sehen können. Zukünftige Experimente mit natürlichen Lichtbedingungen sind erforderlich, um zu bestätigen, wie Hirsche diese leuchtenden Signale wahrnehmen und darauf reagieren.
Diese Forschung legt nahe, dass die Tierkommunikation möglicherweise weitaus komplexer ist als bisher angenommen, wobei neben geruchsbasierten Botschaften auch versteckte visuelle Hinweise eine Rolle spielen. Das Verständnis dieser subtilen Wechselwirkungen ist für ein vollständiges Bild davon, wie Tiere in ihrer Umgebung navigieren und kommunizieren, von entscheidender Bedeutung.




















